cooltour [kultur] von Kultursegel

cooltour [kultur] – die musikalisch-kulturelle Entdeckungsreise von kultursegel

Die erste interkulturelle cooltour [kultur] vom 25. bis 29.06.2018 auf dem Gutshof Woldzegarten

Wie kann Heimat klingen? – Entdeckungsreise über Grenzen hinaus

Die erste interkulturelle cooltour [kultur] fand mit einer dritten Klasse der Grundschule am Friedenshof aus Wismar statt und prägt sowie bereichert dieses Modellprojekt. Fernab des Schulalltags musizierten, improvisierten und entdeckten 26 Kinder aus sechs verschiedenen Nationen, darunter fünf Flüchtlingskinder, vier Tage lang verschiedenste Klänge auf dem von Wäldern und Seen umgebenen Gutshof Woldzegarten. Den Abschluss krönten am fünften Tag zwei Aufführungen in der eigenen Schule für MitschülerInnen, Eltern, LehrerInnen. Und auch geladene Gäste aus Politik und Verwaltung folgten der Einladung, die sich so aktiv ein Bild über die Relevanz solcher Projekte machen konnten.

Eine Besonderheit des Pilotprojektes war die enge Zusammenarbeit des breit aufgestellten Teams, das aus drei kultursegel-DozentInnen, der Klassenlehrerin, der Sonderpädagogin, dem Integrationsassistenten und dem Projektleiter bestand. Ohne die PädagogInnen der Schule wäre die Arbeit in der Tiefe und Qualität nicht möglich gewesen.

Das Hauptanliegen der Projektfahrt ist es, die Selbstwirksamkeit der Kinder zu stärken. Dabei ist es wichtig, sich durch die musikalische Ausdrucksfähigkeit als eigenständiges Selbst ebenso wie als Teil eines größeren Ganzen – der Klassengemeinschaft – erleben zu können. Im ersten Schritt gaben die kultursegel-DozentInnen spielerisch einen „musikalischen Handwerkskoffer“ an die Hand, mit dem die Kinder musikalischer Parameter wie laut/leise, schnell/langsam, kurz/lang, zusammen/alleine sowie führen/folgen erfahren konnten.

Ein weiteres zentrales musikpädagogisches Element stellten die Gruppenimprovisationen dar. In Kleingruppen wendeten die Kinder selbstbestimmt die musikalischen Parameter auf mitgebrachten Klangkörpern, Orff-Instrumenten, Trommeln sowie auf selbstgebauten Instrumenten an. Letztere wurden an einem Vormittag im Rahmen der Mobilen Musikwerkstatt handwerklich selbst hergestellt, was für die Kinder ein herausforderndes und einzigartiges Erlebnis war.

Die Auseinandersetzung mit der Thematik „Heimat“ stellte den inhaltlichen Rahmen für die musikalische Arbeit dar. Zu Beginn sammelten die Kinder Begriffe, um das Heimatgefühl zu beschreiben. Daraus bildeten sich drei Untergruppen und es wurde festgestellt: Heimat ist ein Gefühl – dort, wo das Essen gut schmeckt und wo die Familie ist. Doch wie klingt das? In Kleingruppen wurden dazu klangliche und szenische Antworten gefunden. Zusammen identifizierten wir Heimat auch als Ort, an dem man sich gerade befindet und so entstanden nach dem Aufsuchen von Orten in der Umgebung Vertonungen der Natur, wie vom Wasser und dem Wald.

Begleitet wurden die Kleingruppenimprovisationen von thematisch passenden Liedern, die ohne viele Worte auskamen. Eines davon war in einer Sprache, die für alle neu war, nämlich auf Plattdüütsch. Diese Klangcollagen brachten in der Aufführung dem Publikum die Erlebnisse der Woche nahe.

Die Entdeckungsreise war ein musikalisch-ästhetisches Gesamterlebnis, in dem die Klasse zusammengewachsen ist. Einzelne Kinder sind sich ihrer Stärken bewusst geworden und haben auch gelernt, ihre Schwächen zu akzeptieren und über sie hinauszuwachsen. Anders als im schulischen Kontext konnte viel in Kleingruppen gearbeitet werden und die Kinder hatten die Möglichkeit, musikalische Tätigkeiten, die sonst nur die „Erwachsenen“ machen, selbst „in die Hand zu nehmen“: Komponieren, Dirigieren und Instrumente selber bauen.

„Über die Musik ist es allen Kindern möglich, sich einzubringen und auszutauschen. Auf diese Art wird der Zusammenhalt und damit die Integration ganz spielerisch gefördert.“ sagte Dagmar Kaselitz, die Integrationsbeauftragte der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern, begeistert zum Projekt, dessen Ergebnis Sie sich bei der Aufführung in der Wismarer Grundschule am Friedenshof am 29.06.2018 angesehen hat.

In diesem Radio-Beitrag von NDR 1 Radio MV können Sie sich einen weiteren Eindruck über das Projekt machen.

Hier können Sie sich die Doku-Brschüre digital ansehen und downloaden.

Impressionen von der ersten interkulturellen cooltour [kultur] vom Juni 2018:

 

Das Modellprojekt wurde gefördert durch: